Die Zertifizierung der „Route der Orte des Friedens“ als kulturelle Route des Europarates trat in die zweite Phase des Evaluationsprozesses ein
Nach der Einreichung des Antragsdossiers für die Places of Peace Route zur Kulturroute des Europarates am 30. Juli informierte das Sekretariat des Enlarged Partial Agreement on Cultural Routes (EPA) den Vorstand der ENPP und das Management der Route, dass die eingereichte Dokumentation den vom Europarat festgelegten Kriterien entspricht und somit mit der zweiten Phase des Evaluationsprozesses fortfahren kann.

Für diese zweite Phase hat das Sekretariat der EPA für Kulturrouten mit Sitz in Luxemburg bereits einen unabhängigen Experten ernannt, der mit der dokumentarischen Analyse der Bewerbung und ihrer Übereinstimmung mit den vom Europarat festgelegten Zertifizierungskriterien beauftragt wird.

Aufgrund der durch die COVID19-Pandemie verursachten Mobilitätseinschränkungen werden in diesem Jahr die üblichen Vor-Ort-Besuche an den Standorten der Route durch Online-Interviews mit dem Management der Route und seinen Mitgliedern ersetzt.

Dieses erste Ergebnis spiegelt das Engagement aller Mitglieder der Route, von Portugal bis zur Türkei, wider, in diesem Jahr das zu erreichen, was sie für weitgehend verdient halten: die Zertifizierung der Places of Peace-Route als Kulturroute des Europarates. Dies gilt sowohl für das dem Projekt zugrundeliegende Thema – Frieden – als auch für die positive und umfassende Umsetzung der Route.

Unter dem Titel „Kein Kulturpfad, aber auch kein Aufgeben – Netzwerk mit Schloss Hubertusburg will Friedensarbeit fortsetzen“ veröffentlichte die Oschatzer Allgemeine Zeitung kürzlich einen Artikel von Frau Jana Brechlin, in dem sie die Kandidatur der Orte des Friedensweges für die Kulturroute des Europarates analysierte und die Ansichten mehrerer Mitglieder des Freundeskreises Schloss Hubertusburg und des Bürgermeisters von Wermsdorf, Herrn Matthias Müller, zu diesem gesamten Prozess widerspiegelte.

Hier ist der vollständige Text dieses Artikels:

„Nach anderthalb Jahren Mühe und Hoffen steht nun fest, dass die Places-of-Peace-Route nicht als Europäischer Kulturweg zertifiziert wird. Zumindest noch nicht.

Vertreter von insgesamt elf europäischen Orten, an denen Friedensverträge geschlossen wurden, hatten gemeinsam die Bewerbung auf den Weg gebracht. Daran hatte sich auch der Freundeskreis Hubertusburg beteiligt, schließlich wurde hier 1763 der Hubertusburger Frieden ratifiziert – ein Schlusspunkt unter dem Siebenjährigen Krieg. Das Netzwerk Places of Peace – Orte des Friedens – wollte solche Stätten in insgesamt acht Ländern auf einer Kulturroute miteinander verbinden.

Im Februar war deshalb eine Gutachterin vor Ort, um die Bewerbungen von Hubertusburg, Altranstädt und Bautzen – den drei deutschen Mitgliedern – zu prüfen. „Ich entscheide allerdings nicht darüber“, machte Maria Gravari-Barbas klar, „sondern gebe meinen Bericht an die Vertreter der Kommission weiter, die dem Europarat dann Vorschläge zur Zertifizierung machen wird.“

Das Europäische Netzwerk Places of Peace hatte es als eines von acht Kandidaten immerhin bis in die Endrunde der Zertifizierung geschafft. Dort war dann allerdings Schluss, eine Anerkennung als Europäischer Kulturweg ist nicht erfolgt. Von Katzenjammer aber keine Spur: „Auch wenn wir in diesem Jahr nicht als Europäischer Kulturweg bestimmt wurden, sehen der Vorstand und die Mitglieder in diesem Gesamtprozess eine große Anerkennung der jahrelangen erfolgreichen Arbeit unserer Organisation“, heißt es vom Netzwerk.

Der Prozess der Kandidatur habe viel Gutes gehabt. So sei eine eigene Internetseite entstanden, auf der die Route und die einzelnen Orte vorgestellt werden. Zudem sei insgesamt die öffentliche Wahrnehmung der Friedensorte deutlich gestiegen.

Das unterstreicht auch Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller (CDU). „Die Hubertusburg und die anderen Friedensorte sind wieder mehr ins Bewusstsein gerückt – und allein das ist schon wichtig“, meinte er. Dennoch sei es schade, dass es nicht zur Zertifizierung gekommen ist. „Das finde ich bedauerlich, weil in die Bewerbung ganz viel Arbeit gesteckt wurde.“

Beim Netzwerk selbst setzt man darauf, dass diese Bemühungen einen weitreichenden Effekt haben. So würden sowohl das Netzwerk als auch die Beteiligten an der Friedensroute weiterarbeiten. Außerdem sei in den vergangenen Monaten der wissenschaftliche Beirat der Places-of-Peace-Route ins Leben gerufen worden, in dem Experten zu Geschichte und Kulturtourismus aus allen beteiligten Ländern engagiert sind. „Unsere Kandidatur hat sogar dazu beigetragen, das Verfahren des Europarates zur Bewertung von Kulturwegen weiter zu entwickeln“, ist man beim Zusammenschluss stolz.

Und auch Ideen, wie man sich künftig noch besser vernetzen könnte, wurden in Wermsdorf schon vorgestellt. Als Beispiel nannte Ulf Müller die Möglichkeit, Veranstaltungen gezielt für Jugendliche anzubieten. Dahingehend habe man vor Ort bereits seit Jahren Erfahrungen, versicherte der Vorsitzende des Freundeskreis Schloss Hubertusburg Wolfgang Köhler und verwies auf die aller zwei Jahre stattfindenden Wettbewerbe zum Jugendfriedenspreis. „Wir merken immer wieder, dass den jungen Menschen das Thema sehr am Herzen liegt und es ist spannend, welchen Blick Jugendliche auf den Frieden haben“, hatte er zur Präsentation deutlich gemacht.

Während der ganzen Zeit der Bewerbung zur Kulturroute habe es eine aktive Zusammenarbeit im Netzwerk Places of Peace und eine breite Unterstützung gegeben. Dafür wolle man allen danken, unterstrich Ulf Müller vom Vorstand des Netzwerkes. „Viele Entwicklungen hier in Hubertusburg geben uns Mut zum Optimistisch-Sein und zum Weitermachen“, blickte er nach vorn. Man werde mit der begonnenen Arbeit nicht aufhören, nur weil es jetzt nicht mit der Zertifizierung zur Kulturroute geklappt hat. So könnte die Anerkennung in Zukunft womöglich auch durch andere europäische Bescheinigungen geprüft werden.

Dafür würde Wermsdorfs Bürgermeister gern die Unterstützung eines Brüsseler Parteifreundes nutzen. „Ich würde vorschlagen, auch unseren EU-Abgeordneten Peter Jahr mit ins Boot zu holen“, so Matthias Müller. Er könne sicherlich helfen, eventuelle Schwachstellen in der Bewerbung zu beheben und damit die Chancen zu steigern, dass die gemeinsame Route mit Schloss Hubertusburg und anderen europäischen Friedensorten doch noch als Kulturweg anerkannt wird. Denn an der Bedeutung dessen habe sich nichts geändert, ist Müller überzeugt: „Frieden ist für uns heute wichtiger denn je. Deshalb ist es notwendig, jede Möglichkeit, das Thema in den Fokus zu rücken, zu nutzen.“